Wozu überhaupt Demokratie?
Ein Gastbeitrag von Dirk Hüther
Ich halte „Demokratie“ für eine riesengigantische Schnapsidee. Ja, genau! Lass uns direkt zur Sache kommen und Tacheles reden. Was hast Du jetzt im Kopf? So etwas wie „Ja was ist Dir denn lieber? Diktatur?“ und schon haben wir das erste Problem bei dieser ganzen Debatte identifiziert. Da liegt eine geistige Tretmine auf dem Boden oder anders ausgedrückt da ist ein Framing, ein Glaubenssatz, den die Meisten mit sich rumschleppen. Wenn Dir als Alternative zu „Demokratie“ nix anderes einfällt als „Diktatur“, dann reden wir nicht darüber, was für oder gegen die Idee von Demokratie spricht, sondern über Dein einfach nur mangelndes Repertoire und limitiertes Vorstellungsvermögen. Und eben auch über diesen Glaubenssatz, der da lautet: „Demokratie ist die ultimative Gesellschaftsform. Es gibt nix besseres. Danach kommt nix mehr. Demokratie hält die nächsten 10.000 Jahre stand“. Was für ein Blödsinn, aber so haben es nun mal die Meisten im Kopf und dabei gäbe es so viel mehr. Aber das ist gar nicht mein Thema jetzt. Ich werde hier nicht Ideen und Möglichkeiten in den Raum stellen, um sie mir dann von Leuten zerreden zu lassen, die ihre Glaubenssätze nicht loslassen wollen und an dieser Schnapsidee von „Demokratie“ einfach festhalten wollen, so nach dem altbekannten Motto: „So lange mir niemand was besseres präsentieren kann, ist Demokratie das Beste, was wir haben“. Und dann geht alle Energie dahin, zu beweisen, dass die präsentierten Ideen ja so überhaupt nicht gehen. Vergiss das. Zuerst die Bankrotterklärung über diesen historischen Irrtum „Demokratie“, dann die Suche nach was Besserem. Also will ich Stück für Stück, aus verschiedenen Perspektiven belegen, warum ich „Demokratie“ wie wir sie kennen einfach für eine ganz beschissene Schnapsidee halte.
Demokratie und die Statistik
Fangen wir mit etwas ebenso Popeligem, wie Weitreichendem an: Statistik. Kennst Du diese Normalverteilungskurve? Die ist einfach das Messkriterium für die Validität von Messungen, weil einfach alles, was gemessen wird, wenn es signifikant ist, dieser Normalverteilung entspricht. Das wissen viele so nicht. Der Lehrer, dessen Klassenarbeit nach seiner Korrektur eine deutliche Schlagseite zur „mangelhaft“ hin hat, muss diese nicht „anheben“, damit sie der Norm entspricht (so ist diese Normalverteilung nicht gedacht), sondern er hat gerade den statistisch signifikanten Beweis dafür bekommen, dass seine Prüfung nicht dafür geeignet war, das zu prüfen, was er wollte. Auf Deutsch: Seine Fragen waren scheiße oder seine gesamte Prüfung war scheiße und nicht seine Schüler.
Da jetzt alle Menschen in all ihren Merkmalen und Eigenschaften eben Normalverteilt sind, ist die überwiegende Mehrheit der Leute halt bezüglich aller Merkmale durchschnittlich. Hier und da gibt’s dann mal Ausreißer, aber die überwiegende Zahl der Menschen ist eben durchschnittlich intelligent, gebildet, hat durchschnittliche Problemlösekompetenzen, ein durchschnittliches Verständnis von Komplexität, durchschnittliche Fähigkeiten in den Bereichen der Sozialkompetenz, etc. Eine Gemeinschaft oder Gesellschaft kann lange damit leben Mehrheitsentscheidungen zu treffen, so lange sich alles in ruhigem Fahrwasser befindet. Was aber, wenn eine Krise am Horizont erscheint? Was wenn diese Krise nur wenige Menschen erkennen? Was, wenn dann alle wesentlichen Entscheidungen von einer Mehrheit getroffen werden, die diese Erscheinungen Horizont nicht sehen können oder wollen. Und dabei haben wir noch nicht mal darüber gesprochen, wenn die Wahrnehmung solcher Themen medial bewusst weg von einigen Themen, hin zu anderen Themen gesteuert wird? Welche Qualität haben dann noch Mehrheitsentscheidungen? Spätestens wenn die Krise vollends angekommen ist, helfen keine Lösungen aus dem mittleren Bereich, denn dieser mittlere Bereich der Normalverteilung hat die Probleme verursacht. Anders ausgedrückt: In schweren Krisen braucht es kein Mittelmaß sondern Außergewöhnliches, Exzellentes. Nur dass solche Lösungen eben im statistischen Randbereich stattfinden und die Menschen eine solche Lösung niemals wählen würden, wenn sie zur Abstimmung käme. Menschen wollen Mittelmaß. Menschen wollen von Menschen regiert werden, die so sind wie sie. Deshalb wurde Angela Merkel vier Mal zur Kanzlerin gewählt. Weil sie einfach dem Durchschnitt unserer Bevölkerung entsprach. Bräsig, ignorant und durchs Leben schlafwandelnd. Warum wird der deutsche Michel wohl mit Nachthemd und Mütze dargestellt, mit einer Kerze in der Hand?
Fassen wir zusammen: „Demokratie“ bedeutet statistisch zwangsläufig immer Mittelmaß und das fällt dann der jeweiligen „Demokratie“ auf die Füße, wenn sie mit etwas konfrontiert ist, das sie nicht begreifen kann.
Das zugrunde liegende Menschenbild
Wenn wir mal die Ursprünge von Demokratie im alten Griechenland (darauf komme ich noch zu sprechen) für einen Moment außen vor lassen und uns die Geschichte der Demokratie in der Neuzeit betrachten, fällt sofort etwas ins Auge: Der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Aufkommen der Demokratie und der Aufklärung. Damit wird es unbedingt notwendig auf das der Aufklärung zugrunde liegende Menschenbild zu schauen, das folgerichtig auch der Idee von „Demokratie“ zugrunde liegt. Kaum ein anderer Satz aus der Aufklärung hat den Geist dieser Zeit treffender auf den Punkt gebracht, als der Satz von Kant, laut dem sich der Mensch durch seinen Verstand aus der selbstgewählten Sklaverei befreien könnte. Sein Irrtum hätte nicht größer sein können. Was wusste Kant über Menschen wirklich? Nichts. Woher sollte er auch etwas darüber wissen, wo doch alle Forschung rund um das Thema Mensch sein, Geburten des 20ten oder sogar 21ten Jahrhunderts sind. Menschen sind so überhaupt nicht so, wie es die Aufklärung vermutete und was als Grundannahme der „Demokratie“ zugrunde liegt. Laut dieser Idee sortiert der Mensch die Argumente, die für die eine oder andere Lösung spricht, bewertet sie und trifft dann mit seinem Verstand eine wohlüberlegte und abgewogene Entscheidung. Dank moderner psychologischer Forschung und der Neurobiologie wissen wir heute, dass es komplett anders ist. Menschen denken und handeln nicht rational, sondern zutiefst emotional. Ich kann und werde hier nicht die letzten 30 Jahre Hirnforschung und psychologische Forschung darlegen, das darf jeder selbst erkunden. Was wir heute über Menschen wissen ist, dass ihr Antrieb emotionaler Natur ist. Dass Menschen von Emotionen geleitet werden und es einen Menschen ohne Emotionen, der rein „sachlich“ und „rational“ handelt schlicht und einfach nicht gibt. Gleichzeitig haben Menschen aber Angst vor Emotionen (vorrangig den Eigenen) und wollen demzufolge auch überhaupt nicht über diese Emotionen reden, was ein miteinander diskutieren auf der Inhaltsebene über egal welche politischen Themen vollkommen absurd erscheinen lässt. Da sitzen zwei Leute und diskutieren dann über mögliche oder vermeintliche Lösungen z.B. des Migrationsthemas, obwohl es in der ganzen Diskussion ausschließlich um Angst geht, die aber niemand zugeben will. Wir sehen, aus eine psychologischen Sicht ist Demokratie ein Problemlösungsverhinderungs-apparat.
Dazu wird diese Vorstellung von Demokratie begleitet von zwei Disziplinen, die sich selbst als „Wissenschaft“ bezeichnen, obwohl sie keinerlei Kriterien echter Wissenschaften erfüllen (sie sind z.B. normativ und nicht deskriptiv): Die Wirtschafts- und die Rechtswissenschaft. Beide Disziplinen leben von der Vorstellung eines rationalen, verstandesgesteuerten Menschen und diese von ihnen erbauten Kartenhäuser aus Ideologien fallen in sich zusammen, wenn Du am Kern diese eine Karte raus ziehst, auf der „rationaler, verstandesgesteuerter Mensch“ drauf steht. Unsere „höchste Form menschlichen Zusammenlebens“ basiert auf einem 300 Jahre alten Menschenbild, das nicht mehr als ein nettes Märchen ist, aber doch nicht dazu geeignet menschliches Zusammenleben im 21ten Jahrhundert zu gestalten. Was für eine alberne Vorstellung.
Wenn wir mal die Ursprünge von Demokratie im alten Griechenland (darauf komme ich noch zu sprechen) für einen Moment außen vor lassen und uns die Geschichte der Demokratie in der Neuzeit betrachten, fällt sofort etwas ins Auge: Der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Aufkommen der Demokratie und der Aufklärung. Damit wird es unbedingt notwendig auf das der Aufklärung zugrunde liegende Menschenbild zu schauen, das folgerichtig auch der Idee von „Demokratie“ zugrunde liegt. Kaum ein anderer Satz aus der Aufklärung hat den Geist dieser Zeit treffender auf den Punkt gebracht, als der Satz von Kant, laut dem sich der Mensch durch seinen Verstand aus der selbstgewählten Sklaverei befreien könnte. Sein Irrtum hätte nicht größer sein können. Was wusste Kant über Menschen wirklich? Nichts. Woher sollte er auch etwas darüber wissen, wo doch alle Forschung rund um das Thema Mensch sein, Geburten des 20ten oder sogar 21ten Jahrhunderts sind. Menschen sind so überhaupt nicht so, wie es die Aufklärung vermutete und was als Grundannahme der „Demokratie“ zugrunde liegt. Laut dieser Idee sortiert der Mensch die Argumente, die für die eine oder andere Lösung spricht, bewertet sie und trifft dann mit seinem Verstand eine wohlüberlegte und abgewogene Entscheidung. Dank moderner psychologischer Forschung und der Neurobiologie wissen wir heute, dass es komplett anders ist. Menschen denken und handeln nicht rational, sondern zutiefst emotional. Ich kann und werde hier nicht die letzten 30 Jahre Hirnforschung und psychologische Forschung darlegen, das darf jeder selbst erkunden. Was wir heute über Menschen wissen ist, dass ihr Antrieb emotionaler Natur ist. Dass Menschen von Emotionen geleitet werden und es einen Menschen ohne Emotionen, der rein „sachlich“ und „rational“ handelt schlicht und einfach nicht gibt. Gleichzeitig haben Menschen aber Angst vor Emotionen (vorrangig den Eigenen) und wollen demzufolge auch überhaupt nicht über diese Emotionen reden, was ein miteinander diskutieren auf der Inhaltsebene über egal welche politischen Themen vollkommen absurd erscheinen lässt. Da sitzen zwei Leute und diskutieren dann über mögliche oder vermeintliche Lösungen z.B. des Migrationsthemas, obwohl es in der ganzen Diskussion ausschließlich um Angst geht, die aber niemand zugeben will. Wir sehen, aus eine psychologischen Sicht ist Demokratie ein Problemlösungsverhinderungsapparat.
Dazu wird diese Vorstellung von Demokratie begleitet von zwei Disziplinen, die sich selbst als „Wissenschaft“ bezeichnen, obwohl sie keinerlei Kriterien echter Wissenschaften erfüllen (sie sind z.B. normativ und nicht deskriptiv): Die Wirtschafts- und die Rechtswissenschaft. Beide Disziplinen leben von der Vorstellung eines rationalen, verstandesgesteuerten Menschen und diese von ihnen erbauten Kartenhäuser aus Ideologien fallen in sich zusammen, wenn Du am Kern diese eine Karte raus ziehst, auf der „rationaler, verstandesgesteuerter Mensch“ drauf steht. Unsere „höchste Form menschlichen Zusammenlebens“ basiert auf einem 300 Jahre alten Menschenbild, das nicht mehr als ein nettes Märchen ist, aber doch nicht dazu geeignet menschliches Zusammenleben im 21ten Jahrhundert zu gestalten. Was für eine alberne Vorstellung.
Demzufolge findet die komplette Auseinandersetzung in einer „Demokratie“ auf der Inhaltsebene statt, die jedoch weder das Problem, noch die Lösung enthält. Dann geht es darum, andere von der eigenen Vorstellung zu „über-zeugen“. Was für eine bizarre Vorstellung, abgesehen davon, dass das nicht Augenhöhe bereits im Wort „über-zeugen“ enthalten ist. Ich stehe also über dem anderen, auf einer inhaltlich oder sogar moralisch erhöhten Position und zeige dem anderen, dass das Zeugnis meiner Position besser ist als Seins. Tolle Wurst. Das hat in der Menschheitsgeschichte noch nie funktioniert, dass jemand über-zeugt wurde und genau das geschieht dann auch bei all diesen albernen Diskussionen auf der Inhaltsebene. Da werden auf der eigenen Seite offene Türen eingerannt und Applaus gesammelt und auf der anderen Seite der Graben vertieft und die Buh Rufe werden lauter. Ist danach sonst noch was passiert? Nö – wie könnte es auch. So funktioniert das Gehirn nicht. Wir wissen haute, dass sich das Gehirn bei z.B. Meinungsbildungsprozessen sehr früh – emotional - für eine Seite festlegt und von dem Moment an werden zunächst nur die Beweise überhaupt wahrgenommen, die das vorgefertigte Bild bestätigen. Alles, was der eigenen Vorstellung widerspricht wird entweder ausgeblendet und verdrängt oder vermieden oder entsprechend so umgedeutet, dass der Betreffende weiter an seiner festen Vorstellung festhalten kann. Beispiel gefällig? Hast Du Dich heute (4 Wochen nach der Bundestagswahl und nach all dem offensichtlichen Betrug an den Wählern) noch nicht gefragt, warum immer noch 27% der Leute diesen albernen Merz für eine gute Idee halten? Ganz einfach: sie bauen sich das so zurecht, dass es passt. Und glaub nicht, Du wärst anders. Du bist genauso, bei Dir sind eben einfach die Vorzeichen andersrum. Es ist egal, ob Du das verstehst. Es ist so und Du änderst es nicht. Du kannst niemand über-zeugen. Vergiss es. Nur ist die Konsequenz daraus eben auch, dass Demokratie einfach eine beschissene Schnapsidee, weil all das was Demokratie behauptet zu sein gar nicht in der Bauart von uns Menschen vorgesehen und damit einfach vorsichtig ausgedrückt Nonsens ist.
Wenn wir die letzten 40 bis 50 Jahre Forschung und Erkenntnis über uns Menschen in unsere Überlegungen mit einbeziehen, dann braucht Demokratie zwar informierte Menschen, die möglichst ein ganzheitliches Verständnis von Situationen haben, vielmehr braucht es jedoch nicht aufgeklärte, sondern emotional reife Menschen und da sind wir Lichtjahre davon entfernt. Ich will hier keinen Abgesang auf unsere Bevölkerung halten, doch an der Stelle sieht es echt düster aus. Da draußen laufen viele Millionen Menschen rum, die sind Kinder in Körper von Erwachsenen, ausgestattet mit allen „Rechten“ eines modernen Lebens und dabei so selbstreflektiert wie Nero, als er das brennende Rom besang. Nein, die überwiegende Zahl von Menschen in diesem Land ist emotional taub und blind und sucht lieber mit allen möglichen Instrumenten nach den Schuldigen seiner Misere im Außen, statt nach der eigenen Verantwortung im Inneren. Genau das wiederum, verunmöglicht eine funktionierende Demokratie, wenn eben Menschen in ihrem Handeln nicht aus Empathie zu anderen z.B. auf Zwangsmaßnahmen verzichten, sondern die eigenen Ängste über alles andere stellen und bereit sind jedweden Zwang auf andere auszuüben, Hauptsache sie selbst fühlen sich wieder sicher. Sind wir mal ehrlich: Menschliches Miteinander im Kleinen, wie im Großen, braucht ein erwachsenes Konfliktverhalten und das bedeutet die Fähigkeit jedwedes Problem durch Dialog und Interaktion mit anderen zusammen gemeinsam zu lösen. Das Ergebnis nennt sich dann „Win-Win“. Nun können genau das nur ganz wenige Menschen. Die meisten Menschen hängen in ihren infantilen Konfliktmustern fest, die Kampf, Flucht, Delegation, Eskalation oder im harmlosesten Fall Kompromiss sind.
Wir sehen, wir haben es mit einer zutiefst unreifen Bevölkerung zu tun, die keinerlei Anforderungen an die Persönlichkeit erfüllt, um die Idee einer „Demokratie“ funktionabel zu machen. Die alte Weisheit stimmt einfach: Erst müssen sich die Menschen ändern – jeder einzelne, bevor es Sinn macht, sich über die Organisation des Zusammenlebens Gedanken zu machen. Vielleicht – wenn die Menschen heute anfangen, an sich zu arbeiten – wird so etwas wie Demokratie in drei oder vier Generationen möglich sein. Vorher kannst Du Dir das abschminken und so lange ist und bleibt es eine Schnapsidee.
Demokratie und Spaltung
Das mit der Inhaltsebene und der Lächerlichkeit sich darüber zu streiten habe ich ja eben beschrieben. Ich will jetzt auf einen weiteren zusätzlichen Aspekt eingehen und dafür machen wir wieder einen Ausflug in die moderne Psychologie.
Dort gilt menschliches Verhalten als das letzte Glied einer Kette von Prozessen, an deren Beginn die Frage „wer bin ich“ steht, in deren weiterem Verlauf die Frage entsteht „was will ich“ und daraus resultierend, sich das Leben ausgestaltet. Damit ist jedes Verhalten im Grunde eine Strategie um sich das „was will ich“ zu verschaffen. Das bedeutet eben auch, dass auf dem umgekehrten Weg hinter ganz vielen Verhaltensstrategien einfache Werte und Bedürfnisse stehen. Leider streiten sich Menschen lieber über ihre verschiedenen Strategien sich das selbe Bedürfnis zu befriedigen und dividieren sich dabei auseinander, statt beim gemeinsamen Wert oder Bedürfnis anzufangen und dann mal zu schauen, wie viel von dem Weg dorthin gemeinsam gegangen werden kann. Das wiederum würde ein gewisses Maß an Problemlösekompetenz voraussetzen und die ist in einer Demokratie schlicht und einfach scheißegal. In einer Demokratie musst Du nicht Probleme lösen, sondern Du musst so aussehen, als ob Du Probleme löst, schließlich willst Du ja wieder gewählt werden. Im ersten Fall brauchst Du echte Kompetenzen, im zweiten Fall musst Du bloß ein Schauspieler sein und die Qualität Deines Spiels interessiert heutzutage auch niemand mehr, das mit dem Mittelmaß hatten wir ja bereits.
Nun ist es so, dass es in einer Demokratie im Wesentlichen Um Positionen oder Meinungen geht und dabei gibt es rein formallogisch nur zwei mögliche Zustände: Dafür oder dagegen. Das ist eben auch ein Teil des Problems mit der Demokratie, dass je lauter Du „dagegen!“ schreist, desto besser wirst Du wahrgenommen. Und schon haben wir sie: Die zwei Seiten, oder besser die zwei Lager. „Wir“ gegen „die“. Wir haben Recht und die richtige Meinung, die anderen haben Unrecht und die falsche Meinung. Und schon sind die Menschen gespalten und schon beginnt die Konflikteskalation, wie sie Friedrich Glasl in seinem Modell der Neun Stufen der Konflikteskalation so schön ausgebreitet hat. Demokratie bewirkt automatisch zu jedwedem Thema verschiedene Lager, die sich dann bekämpfen und wir erleben gerade das ganze Thema wie aus einer Mischung von auf Koks und Steroiden. Hinzu kommen dann Parteien und die tragen die Spaltung bereits in ihrem Namen, denn was ist wohl eine Part-ei? Eben: Ein Teil der Leute tut sich zusammen, um ihre Ansprüche gegen jemand anderen durchzusetzen. Alle Seiten glauben die wahren guten Menschen zu sein, erkennen die eigenen Fehlleistungen nicht, zeigen mit dem Finger auf andere, überhöhen sich und werten andere ab und es entsteht der tief in die Menschen einkonditionierte Wettbewerb, der sich sogar in die Biologie ausgebreitet hat. Was für ein Blödsinn. Das Leben als Wettbewerb ist eine Idee von Leuten mit Minderwertigkeitsgefühlen, weil sie schon früh im Leben diesen Satz gelernt haben „ich bin nicht gut genug“ und die jetzt dem Rest der Welt und den Eltern beweisen wollen, dass sie doch gut genug sind.
Ergo trägt „Demokratie“ im Kern die Spaltung als Teil seiner DNA huckepack und wir sind heute an einem Punkt, an dem es eigentlich jedem Dorfdeppen auffallen müsste, dass diese „Demokratie“ einfach eine Schnapsidee ist.
Die alten Griechen
Was haben sie uns in der Schule alles darüber erzählt, wie die alten Griechen diese großartige Idee mit der Demokratie hatten und wie sich diese Idee von dort aus über die Welt verbreitet hat. Fangen wir mal mit dem Wort an, denn einiges erschließt sich bereits bei der einfachen sprachlichen Analyse. Wir fangen hinten an: Das „kratie“ in „Demokratie“ kommt aus dem griechischen „kratein“, was Herrschen bedeutet. Da ist schon wieder ein deutliches Zeichen dafür was das für ein Unsinn ist. Jetzt mal ehrlich: „Herrschen“. Lass Dir das Wort auf der Zunge zergehen. „Herrschen“. Was soll das? Willst Du beherrscht werden? Egal von wem, auch wenn den die Mehrheit gewählt hat? Willst Du wirklich beherrscht werden? Wieso? Weißt Du nicht selbst am besten, was Du willst? Wozu brauchst Du jemand, der Dich beherrscht? Bist Du noch ein kleines Kind? Eben genau das macht „Demokratie“. Sie macht Dich zu einem Kind, das beherrscht wird. Zwar von einer durch Mehrheitsentscheid legitimierten Truppe, aber es bleibt dabei: Diese Leute ersetzen Deine Eltern, ob Du willst oder nicht. Und dieses sehr verräterische „....kratie“ deutet eben auch darauf hin, dass jedwede Organisationsform, die auf „kratie“ endet das Problem bereits in sich trägt. Da wird von irgendjemand über irgendjemand anderes geherrscht. Insofern darfst Du auch jedwede Form von Idee der Gestaltung von Zusammenleben kritisch betrachten, die auf „kratie“ endet.
Und jetzt die zweite Hälfte des Wortes: „Demos“. Volk haben wir alle in der Schule mal gelernt, das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn „Demos“ wird auch übersetzt mit „Dorf“ und schon haben wir einen Eindruck davon, in welchen Größenordnungen eine „Demokratie“ überhaupt funktionieren kann. Auf einer dörflichen Ebene ist das sogar vorstellbar. Da kennen sich die Leute und da ist der Abstand zwischen Macht, Verantwortung und Verantwortlichkeit sehr unmittelbar. Nirgendwo war vorgesehen, dass mit einem solchen Konstrukt 84 Millionen Menschen ihr Zusammenleben organisieren.
Und es wird noch etwas gerne vergessen: Im alten Griechenland waren 90% der Bewohner der Städte Sklaven. Die restlichen 10% waren die sog. „Deme“ und das war das Volk und die durften auch wählen. Wie Du siehst war im alten Griechenland mitnichten vorgesehen, dass tatsächlich die gesamte Bevölkerung an Entscheidungsprozessen beteiligt war. Die 90% waren den 10% reichlich egal. Wieso sollte es heute anders sein?
Nicht umsonst waren die großen Griechen wie Sokrates oder Platon überhaupt keine Freunde dieser „Demokratie“. Im Gegenteil sie betrachteten diese sehr kritisch und haben damals schon vor der Gefahr der Regentschaft der Mittelmäßigen gewarnt.
Individuelle und pathologische Probleme
Mit diesem letzten Aspekt meiner Überlegungen mache ich gleichzeitig die Tür auf, für das dahinter liegende und noch viel größere Thema: Wozu etwas organisieren, was nicht zu organisieren ist. Doch hier soll es lediglich eine Andeutung bleiben. Dazu könnte ich ein eigenes Buch schreiben, aber das brauche ich gar nicht, weil das bereits einige andere Leute vor mir getan haben. Ich werde am Ende zur Frage der Alternative ein paar Worte zu Selbstorganisation sagen. Aus diesem Themengebiet kommen auch meine Inspirationen zu dieser Frage eben. Ich will hier lediglich einen Teilaspekt betrachten, der unmittelbar mit meiner Fragestellung „wozu überhaupt Demokratie“ zusammenhängt. Es geht darum, wie Probleme gelöst werden, die im menschlichen Zusammenleben zwangsläufig auftreten. Meist geht es darum, dass irgendwann, irgendjemand Schaden davon trägt. Mein Problem an dieser Stelle ist, dass die Ursachen der Schäden die z:b. Entstehen, immer auf der individuellen Ebene zu finden sind und sie meistens mehr mit pathologischen Themen zu tun haben, denn mit Organisatorischen. Du weißt gerade nicht wovon ich rede? OK, ich mache es mit ein paar Beispielen greifbar:
Ein Junkie auf Entzug raubt auf offener Straße jemand aus. Ein Multimilliardär bringt aus Profitsucht Millionen Menschen um. Ein Ehemann tötet seine Ehefrau, weil er ihre Demütigungen nicht mehr erträgt. Usw. usf. Wir könnten hunderte solcher Beispiele finden, es bleibt bei allen gleich: Die Ursache des Problems oder Schadens ist ein individuelles Thema, das unmittelbar mit der Geschichte des Menschen zu tun hat (und 8 Mrd. Menschen haben nun mal 8 Mrd. Geschichten) und oftmals haben wir es mit Psychopathologien zu tun (bei dem Multimilliardär am meisten). Und unterschätz das nicht. Die Unfähigkeit, durch entsprechendes Kommunikationsverhalten (was eben nicht wie üblich dysfunktional ist) mit anderen Lösungen zu finden ist bereits eine Pathologie. Nun versucht aber eine „Demokratie“ solcherlei „ungünstiger Fälle“ zu vermeiden, indem Gesetze gemacht werden, von der Mehrheit beschlossen, die zwei Funktionen erfüllen: Aus einer rechtlichen Sicht soll die Verantwortung und damit die Haftung geklärt werden und darüber hinaus soll durch die Androhung einer Strafe abgeschreckt werden, womit wir wieder beim Menschenbild sind. Als ob sich auch nur ein Straftäter vor seiner Tat über das Ausmaß einer potenziellen Strafe Gedanken macht, also über das was die Ökonomen „Transaktionskosten“ nennen.
Die Schnapsidee der „Demokratie“ ist es nicht nur überhaupt zu versuchen für individuell und meist pathologisch gelagerte Probleme eine kollektive und vor allem organisatorische Lösung zu finden. Die mindestens genauso große Schnapsidee ist es auch noch, die Entscheidung darüber welche dieser organisatorischen Regelungen nun zur Anwendung kommt, einer Mehrheit von statistisch mittelmäßigen, darüber hinaus emotional unreifen und unreflektierten Spaltern zu überlassen. Im Grunde dürften die allermeisten Menschen da draußen nicht mehr Entscheidungsgewalt haben, als mit der Ferse in der Badewanne am Abfluss die Menge des herauslaufenden Wassers zu kontrollieren. Mit mehr wären die Meisten überfordert. Und dennoch entscheiden 60 Mio. Wähler darüber, wie jeder einzelne von uns hier zu leben hat. Verrückte führen Blinde.
Was nun?
Genug der Aufzählungen, kommen wir zur Alternative. Denn natürlich steht diese Frage am Ende da. Doch ich erinnere Dich noch mal an meine Anfangsbemerkungen: Zuerst kommt die geistige Bankrotterklärung, dann kommt etwas Neues, bzw. in meinem Fall etwas uraltes. Bist Du jetzt bereit die Idee loszulassen, dass Demokratie auch nur irgendwie eine gute Idee ist? Gibt es noch irgendetwas, das Dich an dieser absurden Idee von „Demokratie“ festhalten lässt. Was ist Dir lieber? Ein zeitgemäßes Menschenbild oder ein 300 Jahre altes Märchen? Was willst Du? Exzellenz und Großartigkeit oder Mittelmaß? Was ist Dir lieber? Spaltung oder Verbindung? Such es Dir aus. Nur mach Dir klar, hier haben wir tatsächlich mal ein entweder oder. Das Eine, oder das Andere. Beides zusammen geht nicht.
Also Du willst wissen, was ich glaube, wie das alles organisiert oder geregelt werden kann? Ganz einfach: Gar nicht. Nein, nicht Anarchie. Wetten wir, dass Du das gerade im Kopf hast? Womit wir wieder bei den eigenen Limitationen im Vorstellungsvermögen sind. Nein, viel einfacher. Das, was das tragende Prinzip der Natur ist – seit Millionen von Jahren. Das, dessen Produkt auch Du bist, wie Du jetzt da sitzt und diesen Artikel liest. Es nennt sich Selbstorganisation. Erzähl nicht, dass das nicht funktioniert. Es ist das einzige, was überhaupt funktioniert, sonst wärst Du nicht da. Die Natur organisiert nicht. Sie macht einfach. Alles andere passiert durch direkte Interaktion und vor allem durch Kommunikation. Und damit will ich es, was die Lösungsseite betrifft im Wesentlichen belassen, denn wenn Dich das tiefer interessiert, beginne Deine Suche mit der Eingabe des Wortes „Selbstorganisation“ bei Youtube, Google und Konsorten. Und nein, Selbstorganisation ist nicht „basisdemokratisch“. Die Bäume im Wald bilden nicht vorher einen Konsens darüber, wann es jetzt Zeit ist die Blätter abzuwerfen.
Eins ist auch klar: Niemand kann heute sagen, wie ein solches Modell in der Praxis aussehen wird (und es wird kommen, das unausweichlich), denn es ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem die Menschen miteinander aushandeln, wie sie es haben wollen. Die eine Gemeinde macht weiter Mehrheitsentscheidungen, die andere Gemeinde wählt sich meinetwegen einen König. Eine dritte Gemeinde braucht gar niemand, der sie repräsentiert, die machen das fallweise spontan. Alles andere ist wieder Kommunikation und da bin ich bei dem zentralen Punkt, um den es immer geht, wenn die Frage auftaucht, wie menschliches Miteinander gestaltet werden kann. Egal wie, es braucht dafür immer emotional Reife und reflektierte Menschen, egal wie das jeweilige System heißt. Insofern unterscheidet sich Selbstorganisation nicht von den Voraussetzungen für „Demokratie“. Und vielleicht ist eine so unreife Bevölkerung für eine Weile besser bedient mit einem Autokraten, der jedoch menschlich empathisch und besonnen ist und der mehr wie ein spiritueller Führer den Menschen als Modell gilt, an dem sie sich orientieren auf dem Weg zur Selbsterkenntnis und zur Reife. Nur wo willst Du den finden (ich möchte es nicht sein) und wie bringst Du ihn in diese Position.
Und das ist meine Quintessenz: In einer Gesellschaft emotional reifer und selbstreflektierter Menschen ist mir das Gesellschaftsmodell scheißegal, weil es überhaupt nicht mehr wichtig ist.
Dirk Hüther
24.03.2025